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Jetzt nehmen uns die Muslime auch noch das Schwimmbad weg (2)

Nehmen wir für einen Moment mal an, dass das, was am Dienstag in „Bild“ stand, stimmte. Dann hätte die Geschichte vom Bremer Vater, der mit seiner Tochter nicht ins Schwimmbad darf, „weil Muslime im Bad sind“ (BILDblog berichtete), eine neue Wendung:

Screenshot Bild.de - Schlechte Kommunikation - Behörde bestätigt Schwimmverbot für Papa

Jetzt stellt es sich anders da: Der Schwimmtermin sei ein regelmäßiger stattfindender Termin für u. a. muslimische Frauen, in den die Gruppe von Tim F. ausnahmsweise reinrutschte — Männer tatsächlich unerwünscht!

… schreiben die „Bild“-Medien.

Und es ist schon ein ausgesprochen interessanter Fokus, den sie an dieser Stelle gewählt haben: „ein regelmäßiger stattfindender Termin für u. a. muslimische Frauen“. Sie hätten nämlich genauso gut schreiben können: „ein regelmäßiger stattfindender Termin für u. a. katholische Frauen“. Oder: „ein regelmäßiger stattfindender Termin für u. a. jüdische Frauen“. Oder: „ein regelmäßiger stattfindender Termin für u. a. Frauen, die nicht religiös sind“. Oder einfach: „ein regelmäßiger stattfindender Termin für Frauen“. Denn der Termin, den „Bild“ meint, ist ein Frauenbadetag. Davon gibt es monatlich zwei in dem betreffenden Bremer Schwimmbad: jeden zweiten Samstag im Monat ohne Kinder, jeden letzten Samstag im Monat mit Kindern. Für alle Frauen, egal ob religiös, egal welche Religion.

Die Bremen-Redaktion der „Bild“-Zeitung hätte also irgendwas titeln können wie „Wegen Frauenbadetag — Vater darf mit Tochter nicht ins Schwimmbad“. Vermutlich hätte dann selbst der wütendste „Bild“-Leser verstanden, dass es nicht völlig überraschend ist, dass ein Mann nicht zum Frauendbadetag darf. Stattdessen titelte die Redaktion aber:

Ausriss Bild-Zeitung - Wegen Musliminnen - Behörde bestätigt Schwimm-Verbot für Papa Tim
(Unkenntlichmachung durch uns.)

Wenn Frauenbadetag ist, zu dem auch (aber nicht nur!) Musliminnen gehen können, und ein Mann dadurch nicht ins Schwimmbad darf, sind laut „Bild“-Redaktion also die Musliminnen schuld.

Auf der Facebookseite von „Bild“ (wo der Artikel mit den Worten „Wegen Musliminnen — Behörde spricht Schwimmverbot für Papa aus“ verlinkt ist) reagieren die Leserinnen und Leser mit Kommentaren wie:

Rassismus gegen Deutsche!

Ja, das ist erst der Anfang, wir sind bald fremd im eigenem Land

Wie tief will Deutschland eigentlich noch sinken…

Nun müssen wir allerdings einmal zurück an den Anfang. Wir haben ja schon angedeutet, dass mit dem „Bild“-Text etwas nicht stimmen könnte. Und: Es stimmt etwas mit dem „Bild“-Text nicht. Ein Frauenbadetag spielt in dem Fall, anders als von „Bild“ behauptet, überhaupt keine Rolle.

Der Sprecher der Bremer Sozialbehörde, der auch im Artikel der „Bild“-Medien zu Wort kommt, sagte uns auf Nachfrage, dass eine unglückliche Entscheidung der Mutter-Kind-Gruppe, die Tim F. mit seiner Tochter besucht, und zu der auch muslimische Frauen gehören, zum Ausschluss des Mannes beim Schwimmbadbesuch geführt habe: Die Frauen hätten sich gewünscht, dass nur Frauen mit zum Schwimmen kommen.

Der Vater selbst sei bei der Planung des Ausflugs nicht dabei gewesen und habe daher auch nichts dazu sagen können. Es sei bedauerlich, dass diese Entscheidung über den Kopf des Mannes hinweg gefallen sei und man ihn vor vollendete Tatsachen gestellt habe.

Er habe auch dem „Bild“-Reporter mitgeteilt, dass ein Frauenbadetag nicht der Grund für den Ausschluss des Mannes gewesen sei, so der Sprecher der Sozialbehörde. Warum dieser das dann trotzdem geschrieben hat, könne er sich auch nicht erklären.

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